Schrift, Sprache, Literatur

 

Microsoft Word - Programm BW II.docHieratistik"Hieratistik" bezeichnet die Wissenschaft von der so genannten hieratischen Schrift der Alten Ägypter. Diese wurde mit Tinte auf Papyrus, Leinen, Leder, Holz, Ton oder Stein geschrieben und hat über 3000 Jahre lang als mehr oder weniger kursive Handschrift neben den vor allem gemeißelten Hieroglyphen bestanden. Erforscht werden die Entwicklungsstufen, Funktionen und Besonderheiten dieser eigentlichen und alltäglichen Schrift der Alten Ägypter.

Link zur Internet-Plattform für die Wissenschaft von den hieratischen Handschriften des Alten Ägypten

Link zur Homepage des neuen Projektes „Altägyptische Kursivschriften. Digitale Paläographie und systematische Analyse des Hieratischen und der Kursivhieroglyphen“
der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz in Kooperation mit der Technischen Universität Darmstadt unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen vom Arbeitsbereich Ägyptologie des Instituts für Altertumswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).


Projektbeschreibung

Im Alten Ägypten gab es neben den eher monumentalen Hieroglyphen auch kursive (Hand-)Schriften, von denen das Hieratische über 3000 Jahre lang in Verwendung war. Es ist in diesem Projekt erstmals Gegenstand umfassender Grund­lagen­forschung.

Anhand ausgewählter und aussagekräftiger Text­zeu­gen wird das hieratische, kursivhieroglyphische und kursivhiera­tische Zei­chen­inven­tar systematisch und digital er­fasst, wobei verschie­dene Epochen, Regionen, Textgat­tun­gen und Schriftträger (vor allem Papyrus, Leinen, Leder, Holz, Ton, Stein) aus dem Be­leg­zeit­raum von ca. 2700 v. Chr. bis 300 n. Chr. berücksichtigt werden.

Das Projekt erstellt zum einen eine digitale Paläo­graphie: Sie wird das gesamte Zeichenreper­toire, Ligaturen und ausgewählte Lexeme nebst umfangreichen Metadaten zu den verwendeten Quellen in Form von Datenbanken beinhalten und für diverse Suchmöglichkeiten sowie die Kooperation mit der internatio­nalen Fachwelt präsentieren. Die großen historischen Entwicklungsstufen der Kursivschriften werden dabei nach und nach modular behandelt. Der Zugang zu den Quellen erfolgt über unterschiedliche Aufbereitungen des Mate­rials (Originale, Print- und Online-Editionen, Photographien, Scans, Faksimiles, bereits publizierte Paläographien bzw. Zeichenlisten).

Zum anderen stehen im Bereich der Analyse verschiedene Fragestellungen im Fokus des Projekts: die Entwicklungen der kursiven Schrift­arten, deren Abhängigkeiten von den zeitgleichen Monumentalhieroglyphen sowie deren Anpassungen an spezifische Bedürfnisse und Kontexte; Maßnahmen der Schriftökonomie wie Zeichengröße und -vielfalt, Schreibrichtung, Reduzierung, Erweiterung oder Verknüpfung von Einzelzeichen (Abkürzungen, diakritische Zeichen, Ligaturen); Aussagekraft von Handschriften für die Zuweisung an Einzelpersonen, Schulen, Regionen oder Zeiträume; materielle und praktische Aspekte des Schreibens mit der Hand und der Gestaltung von Manuskripten; Funktion der Handschriften für die (Re-)Organisation und Kommunikation der Beamten, Priester und Gelehrten.

Neben dem klassischen Forschungs- und Methodeninventar der ägyptologischen Paläographie werden aufgrund der Kooperation mit der Computerphilologie auch algorithmische und digitale Auswertungsverfahren einbezogen. Das Projekt beinhaltet auch Module zur Praxis des Schreibens und zur Didaktik des Hieratischen im Altertum ebenso wie im aktuellen Studium.

Pressemitteilung der JGU Mainz